Nach einer Krebserkrankung kann ein Lymphödem ein täglicher Begleiter sein – sichtbar oder unsichtbar, spürbar im Körper und oft auch belastend für das eigene Wohlbefinden. Es kann plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln: ein Spannungsgefühl im Arm, ein schweres, geschwollenes Bein, Kleidung oder Schmuck, die einschnüren. Oft kommt mit den körperlichen Veränderungen auch die Unsicherheit: Ist das normal? Muss ich etwas tun?
Gerade nach Operationen, Bestrahlung oder der Entfernung von Lymphknoten ist das Lymphsystem besonders gefordert. Doch obwohl das Thema viele Betroffene betrifft, wird über das Lymphödem oft zu wenig gesprochen – oder erst dann, wenn es bereits Beschwerden verursacht. Dabei ist Wissen ein wichtiger erster Schritt: um Warnzeichen früh zu erkennen, Beschwerden ernst zu nehmen und gezielt etwas für den eigenen Körper zu tun.
Denn auch wenn ein Lymphödem nicht immer vollständig verschwindet, gibt es viele Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Verständnis für den eigenen Körper, eine passende Therapie und ein bewusster Umgang mit den eigenen Grenzen können dabei einen großen Unterschied machen. In diesem Artikel möchte ich erklären, wie ein Lymphödem im Zusammenhang mit Krebs entsteht, woran du es erkennst und was dir helfen kann, wieder mehr Leichtigkeit in deinen Alltag zu bringen.
Wie entsteht ein Lymphödem bei Krebs?
Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Es transportiert Gewebsflüssigkeit (Lymphe), Abfallstoffe und Immunzellen durch den Körper. Wird dieses System gestört, kann sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln – ein Lymphödem entsteht. Im Zusammenhang mit Krebs passiert das häufig durch:
• Operationen, bei denen Lymphknoten entfernt werden
• Strahlentherapie, die Lymphbahnen vernarben oder verengen kann
• Entzündungen oder Infektionen, die das ohnehin belastete System zusätzlich schwächen
Besonders bekannt ist das Lymphödem nach Brustkrebs, wenn Lymphknoten in der Achsel entfernt wurden – dann schwillt manchmal ein Arm an. Aber auch Beine, Gesicht oder andere Körperbereiche können betroffen sein.
In meinem Fall wurden bei der Operation des Eierstockkrebs 36 Lymphknoten in Bauchraum entfernt. Seither habe ich in den Oberschenkeln und im Unterbauch mit einem sogenannten sekundären Lymphödem zu tun.
Woran erkennt man ein Lymphödem?
Ein Lymphödem entwickelt sich oft langsam. Typische Anzeichen sind:
• Schwellungen, die im Tagesverlauf zunehmen
• Ein Gefühl von Schwere oder Spannung
• Eingeschränkte Beweglichkeit
• Druckempfindlichkeit oder ein dumpfes Ziehen
• Kleidung oder Schmuck werden plötzlich enger
• Die Haut kann sich fester oder dicker anfühlen
Im frühen Stadium ist die Schwellung oft noch weich und eindrückbar. Später kann das Gewebe verhärten. Je früher man reagiert, desto besser lässt sich das Fortschreiten bremsen.
Was hilft im Alltag?
Auch wenn ein Lymphödem meist nicht vollständig heilbar ist, lässt es sich gut behandeln und kontrollieren. Ziel ist es, die Schwellung zu reduzieren und Beschwerden zu lindern.
- Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)
Das ist die wichtigste Behandlungsform und besteht aus mehreren Bausteinen:
• Manuelle Lymphdrainage (spezielle, sanfte Massageform. Erfolgt durch PhysiotherapeutIn)
• Kompression durch Bandagen oder maßgefertigte Strümpfe
• Bewegungstherapie
• Hautpflege, um Infektionen zu vermeiden - Bewegung – aber richtig
Sanfte, regelmäßige Bewegung unterstützt den Lymphfluss. Besonders geeignet sind:
• Spazierengehen (mit Kompression)
• Schwimmen
• Leichte Gymnastik, Yoga oder Ähnliches
• Betroffenes Körperteil regelmäßig hochlagern und ausstreichen
Wichtig: Überlastung vermeiden, aber auch nicht in Schonhaltung verfallen. - Alltagstipps
• Betroffene Körperregion nicht einengen (z. B. enge, einschnürende Kleidung vermeiden)
• Haut gut pflegen, um Risse und Infektionen zu verhindern (Bodylotion mit 10% Urea ist super)
• Auf Verletzungen achten (z. B. bei Gartenarbeit Handschuhe tragen, Insektenstiche sofort desinfizieren)
• Extreme Hitze (Sauna, heiße Bäder) oft besser meiden
• Regelmäßige Ruhepausen einbauen
Mehr Leichtigkeit im Leben mit Krebs und Lymphödem
Neben den körperlichen Maßnahmen spielt auch die mentale Ebene eine große Rolle. Ein Lymphödem ist sichtbar und spürbar – das kann verunsichern oder frustrieren. Ein paar Ansätze, die helfen können:
• Akzeptanz statt ständiger Kampf: Der Körper hat viel durchgemacht – ihn zu unterstützen statt gegen ihn zu arbeiten, kann entlastend sein.
• Routinen entwickeln: Feste Zeiten für Bewegung, Pflege und Therapie geben Struktur und Sicherheit.
• Austausch suchen: Gespräche mit anderen Betroffenen oder Selbsthilfegruppen können enorm entlasten.
• Kleine Fortschritte wahrnehmen: Weniger Spannung, mehr Beweglichkeit – das sind wichtige Erfolge.
• Professionelle Unterstützung: Psychoonkologische Beratung kann helfen, mit den emotionalen Herausforderungen umzugehen.
• Rezept vom Arzt holen: Die passende Therapie zur Entstauung eines Lymphödems heißt „Manuelle Lymphdrainage“ und wird vom Arzt (Hausarzt oder Facharzt) verordnet. Auf dem Rezept können je nach Körperregion und Beschwerdebild 30, 45 oder 60 Minuten stehen.
Fazit
Ein Lymphödem im Zusammenhang mit Krebs ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Folgeerkrankung. Je früher es erkannt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen. Mit der richtigen Therapie, etwas Geduld und einem achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper ist es möglich, wieder mehr Beweglichkeit, Kontrolle und Lebensqualität zurückzugewinnen.
Als Physiotherapeutin und Psychoonkologin kann ich dir zu dem Thema Lymphödem ganz individuell zu deinen Beschwerden eine Einschätzung geben oder dich mit einem Rezept behandeln. Buch dir für Beides einfach kostenfrei einen Termin über das Kontaktformular.





